„Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Neh 8,10)

Unter dieses Leitwort gestellt, lassen sich am 27. August im Bistum Speyer eine angehende Gemeindereferentin und drei angehende Pastoralreferentinnen aussenden: Ein langer Ausbildungs- und Reifeweg gipfelt in dieser Feier. Die Stelle Berufungspastoral Speyer bot den Vieren 15 Fragen, aus denen sie sich sechs auswählen konnten. Die angehende Pastoralreferentin Nina Bender aus Eppenbrunn steht hier Rede und Antwort:

Ø Wo siehst du die katholische Kirche realistisch in 10 Jahren?
Ich kann nicht in die Zukunft schauen, weshalb ich mir schwer damit tue, zu sagen, wie die katholische Kirche realistisch in 10 Jahren aussieht. Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass die katholische Kirche weltweit wachsen, in Deutschland aber schrumpfen wird. Das wird einen Wandel des Erscheinungsbildes der katholischen Kirche in Deutschland mit sich bringen, den wir ja ansatzweise bereits erleben. Dennoch bin ich nicht pessimistisch. Entscheidend ist schließlich nicht, dass überall alles aufrechterhalten wird, sondern dass Jesus Christus bleibend unter uns gegenwärtig ist. Wenn wir uns auf ihn konzentrieren und den Glauben an ihn, im Hören seines Wortes und in der Feier der Eucharistie, in unserem Leben wachhalten, dann bin ich zuversichtlich, dass wir als katholische Kirche wieder an Ausstrahlungskraft und Attraktivität gewinnen.

Ø Was ist Quelle und Ziel deiner Arbeit?
Jesus Christus! Er schenkt mir eine übergroße Freude, weshalb ich aus dem Glauben an ihn heraus mein Leben gestalte und versuche, ihm nachzufolgen. Kraft dafür schöpfe ich aus dem Gebet. Als Pastoralassistentin möchte ich nun andere Menschen zu Jesus Christus hinführen und sie für den Glauben begeistern, damit auch sie durch die Freude an ihm Kraft verspüren ihr Leben auf ihn hin auszurichten.

Ø Woran erkennt man, dass man berufen ist?
Da gibt’s keine Pauschalantwort. Wie jeder Mensch einzigartig ist, so ist es auch mit seiner Berufung. Deshalb kann ich nur sagen, wie das bei mir war: Seit meiner Erstkommunion war ich voller Begeisterung Messdienerin in meiner Heimatpfarrei und bin so allmählich in die Kirche und den Glauben hineingewachsen. Mit 15 Jahren nahm ich dann am Weltjugendtag in Köln teil und erlebte dort eine junge, dynamische und von Gott begeisterte Kirche. Trotz aller Strapazen, die so ein Weltjugendtag mit sich bringt, verspürte ich, dass ich in dieser Kirche meinen Platz gefunden habe und Gott mich in Dienst nehmen will.

Ø Was gibt dir Sicherheit, dass deine Entscheidung richtig ist?
Während meiner Messdienerzeit in meiner Heimatpfarrei, an meinen Studienorten und zuletzt auch in meiner Praktikumspfarrei bin ich immer wieder Menschen begegnet, die mich in meinem Tun unterstützt und begleitet haben. Diese Menschen haben mich immer wieder darin bestärkt, meinen Weg zu gehen. Im Vertrauen auf Gott und durch die Ermutigung der vielen Menschen, starte ich jetzt voller Zuversicht in meinen Dienst als Pastoralassistentin.

Ø Wie schaut dein Tagesablauf aus?
Einen festen Tagesablauf gibt es nicht. Jeder Tag ist anders. So bin ich an dem einen Tag in der Schule, führe ein Trauergespräch, übe mit den Messdienern für den Gottesdienst, besuche die Kinder in der Kita und leite am Abend eine Katechetenrunde, während ich an einem anderen Tag die Kranken besuche, um ihnen die Kommunion zu bringen, die Erstkommunionstunde vorbereite und mit Jugendlichen einen Gottesdienst gestalte. Gleichbleibend ist das tägliche Gebet und, so oft es möglich ist, der Besuch der Heiligen Messe.

Ø Warum ist in der heutigen Zeit der Glaube scheinbar so unattraktiv?
Es mag sein, dass die immer leerer werdenden Kirchen am Sonntag den Glauben auf den ersten Blick unattraktiv erscheinen lassen. Doch schon während meiner Schulzeit habe ich in unzähligen Gesprächen erlebt, dass die Menschen sehr neugierig sind. Oft wurde ich gefragt, weshalb ich an Gott glaube und worin meine Motivation besteht, mich kirchlich zu engagieren. All die Gespräche zeigten mir, dass das Bedürfnis nach spiritueller Sinnfindung auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch keineswegs gestillt ist. Dabei war es für mich sehr spannenden zu erleben, dass selbst diejenigen, die sich als ungläubig bezeichnen, mich nicht davon überzeugen konnten, völlig ohne einen Glauben auszukommen. So erlebte ich vielmehr, wie sich meine Gesprächspartner ihre private Glaubenswelt zusammenbasteln, indem sie z.B. christliche Vorstellungen mit Praktiken anderer Religionen verknüpfen. Der Glaube in unserer heutigen Zeit ist also keineswegs unattraktiv. Unattraktiv scheint vielmehr die Kirche zu sein. Deshalb ist es mir ein Anliegen, andere an meiner Glaubensfreude teilhaben zu lassen und ihnen den Mehrwert des christlichen Glaubens für ihr Leben aufzuzeigen.

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„Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Neh 8,10)

Unter dieses Leitwort gestellt, lassen sich am 27. August im Bistum Speyer eine angehende Gemeindereferentin und drei angehende Pastoralreferentinnen aussenden: Ein langer Ausbildungs- und Reifeweg gipfelt in dieser Feier. Die Stelle Berufungspastoral Speyer bot den Vieren 15 Fragen, aus denen sie sich sechs auswählen konnten. Dominique Haas, angehende Pastoralreferentin aus Ludwigshafen, macht sich hier ihre Gedanken:

Ø Was ist die Hauptbotschaft deines Glaubens? Auf welcher Glaubensbasis handelst du in Zukunft?
Das, was ich verkündigen will, ist die Tatsache, dass wir mit einem Gott leben dürfen, der sich über uns freut und jubelt, wenn er an uns denkt. Und zwar nicht nur über die Menschheit als Ganzes oder die Christen, sondern über mich und jeden anderen ganz persönlich. Ich bin wertvoll in seinen Augen und hab Würde. Dafür muss ich selbst nichts leisten, sondern es ist mir geschenkt.
Ein zweites, das daran anfügt, sind die Pläne und die Führung Gottes. Ich glaube, dass der Herr das Leben eines jedes Menschen in die Fülle führen will. Das heißt zum einen, dass er tatsächlich handelt und wirkt, also ein lebendiger Gott ist. Zum anderen vertrau ich darauf, dass Er uns Gutes will. Wenn ich ihm so wichtig und von ihm geliebt bin, dann hat er für mein Leben gute Pläne. Er will, dass ich glücklich bin, im Frieden und letztlich in seiner Gegenwart lebe.

 
Ø Wo bleibt Jesus bei dir? Hat er Platz in deiner Arbeit?
Jesus lebt in mir, ich trag ihn also mit mir – auch und vor allem bei meiner Arbeit. Ich darf Jesus zu den Menschen bringen, mal durchs Wort, aber vor allem durch Tat und Sein. Auf der anderen Seite begegne ich Jesus in den Menschen, die mir begegnen. Der Herr redet zu mir viel durch Gespräche und Erlebnisse mit anderen.
Er ist also mittendrin dabei !

 
Ø Ist der Zölibat in der heutigen Zeit noch sinnvoll?
Für mich ist der Zölibat heute ein Zeugnis, dass Gott allein genügt. „Die Welt“ bietet viele Formen des Glücklichwerdens, doch die gottgeweihten Frauen und Männern setzen alles auf die Karte „GOTT“. Er ist noch existentieller das Fundament ihres Lebens, das sie trägt und aus dem sie leben. Die zölibatär Lebenden bezeugen auch, dass der Herr es wert ist, sich ganz, also bis in den Bereich des Körpers, der Beziehung und Sexualität hinzugeben. Wenn die Ehelosigkeit freiwillig, reflektierend, in einem sozialen Netz und einer engen Bindung zum Herrn gelebt wird, kann sie gerade in diesen Zeiten Zeugnis sein für einen Gott, der die Logik dieser Welt übersteigt.

 
Ø Woran erkennt man, dass man berufen ist?
Das Rufen Gottes oder seine Berufung zu hören und erkennen, erscheint erstmal schwer. Aber Gott muss zu uns Menschen ja so reden, dass wir es verstehen. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass der Herr eher dezent spricht und ruft, um uns die Freiheit zu lassen. In der Zeit, als ich meiner Berufung auf der Spur war (und auch jetzt noch), hab ich auf mein Herz und meine Sehnsucht geachtet: Woran hab ich Spaß, was erfüllt mich und wo kann ich die Talente ausüben, die mir geschenkt wurden? Beim Gedanken an welche Tätigkeiten (und auch an welchen Lebensstand) hab ich eine Freude und einen Frieden in mir?
Ich bete generell bei Unterscheidungssituationen um den Heiligen Geist, dass er mir Klarheit schenke. Manchmal helfen da auch „zufällige“ Begegnungen, Gespräche oder Ereignisse.
Und dann glaub ich auch, dass Berufungen von außen bestätigt werden: Menschen, die mich und meine Fähigkeiten kennen und ermutigen, meine Berufung zu leben.

 
Ø Warum ist in der heutigen Zeit der Glaube scheinbar so unattraktiv?
Meiner Erfahrung nach ist Kirche dort attraktiv, wo Menschen ihre Lebensrealität und Antworten auf die großen Fragen finden. Das hat zum einen mit Äußerlichkeiten wie Sprache zu tun: Für viele Kirchenferne ist unser „Kirchen-Deutsch“ in Liturgie und Predigt unverständlich – verschwurbelte Sätze und antiquierte Wörter berühren nicht. Da bräuchte es noch mehr Umdenken und auch Übung. Ein anderes Beispiel ist Musik: Jungen Menschen dürfen wir „junge“ Musik anbieten oder auch alternative Formen von Gemeinschaft, Messe oder Gebet.
Zum anderen geht es auch um unseren Kern: Wie klar und persönlich reden wir davon? Wie authentisch sind wir in Tat und Wort? Wie sehr ist unser Handeln, unser Reden, unser Sein vom Evangelium geprägt? Und wo dreht sich das Leben in Kirche um den Kern unsres Glaubens – das Reich Gottes?

 
Ø Was ist für dich ein Alleinstellungsmerkmal in der Kirche?
Die Kirche betrachtet den Menschen mehrdimensional: Zum einen sieht sie ihn mit Körper, Geist und Seele. Sie betrachtet (im besten Fall) nichts getrennt und hat alle drei Bereiche im Blick.
Zum anderen denkt sie von ihm als Individuum, das selbstbestimmt und verantwortlich für sich selbst ist. Zugleich erkennt sie auch den Wert und den Nutzen des Menschen in (kirchlicher) Gemeinschaft. Hier kann sich der Mensch nochmal anders „finden“, gestärkt, getragen und herausgefordert wissen, indem er Miteinander mit Glaubenden erlebt.
Zuletzt kennt die Kirche für den Menschen sowohl die Perspektive des irdischen als auch des ewigen Lebens. Sie will dem Menschen im Jetzt helfen, in der Fülle zu leben und hat bei alledem die Ewigkeit im Blick.

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Gemeinde- und PastoralreferentIn. „Macht euch keine Sorgen…“

08.01.2017

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