Routes de Vézelay 2011: Ein Erfahrungsbericht

9. Juni 2011

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AUFBRUCH: Speyer, Freiburg, Strasbourg

Freitagmorgen, 9:45Uhr in Waldsee: In einem Kleinbus startete der erste Teil der Pilgergruppe der Diözese Speyer. Weiter ging es nach Karlsruhe um die anderen Mitreisenden am Bahnhof abzuholen und dann weiter nach Strasbourg zu fahren, wo wir auf die Teilnehmer aus Freiburg trafen. Das Wetter war sonnig warm, wie zum Pilgern geschaffen, nur leider hatten wir weder Klimaanlage noch Radio und so hieß es, die Bespaßung und Unterhaltung selbst in Angriff zu nehmen.

In Strasbourg  trafen wir auf weitere Teilnehmer der „Route Est“ um dort mit ihnen gemeinsam eine Aussendungsfeier in der monastischen Gemeinschaft von Jerusalem zu feiern. Im Rahmen der Feier wurde jedem von uns die wichtigsten „Begleiter“ für eine Pilgerreise mit auf den Weg gegeben, Nahrung im doppelten Sinne, ein kleines Brot und das „Wort Gottes“.

Da man von trockenem Brot alleine manchmal nicht leben kann, machten wir Rast bei einem Supermarkt und verbanden die Pause mit einem „Kennenlernspiel“, das den Grundstein für den guten Zusammenhalt der Gruppe legte.

ZU GAST: Dijon

Frisch gestärkt ging es in den Kleinbussen weiter nach Dijon, wo wir von der katholischen Hochschulgemeinde Jeanne d’Arc mit ihrem Pfarrer Raphaël Clement herzlichst empfangen wurden. Gemeinsam feierten wir eine Vigil mit dem Erzbischof von Dijon. Dieser überreichte jedem von uns einen kleinen Stein, der symbolisch für das Motto der diesjährigen Pilgerfahrt: „Dein Leben – auf Felsen gebaut“ stand. Circa eine Stunde später warteten bereits unsere Gastfamilien auf uns, bei denen wir für eine Nacht aufgenommen wurden. Doch die Nacht war kurz, denn am nächsten Morgen stand schon um 7:30Uhr eine Laudes in St. Elisabeth de la Trinité, am anderen Ende der Stadt, auf dem Programm.

ON MARCHE: Zu Fuß unterwegs

Aufgrund der großen Distanz von Dijon nach Vézelay fuhren wir bis Pontaubert und starteten von dort unseren Fußweg nach Vézelay. Die circa 15km Wegstrecke waren in mehrere Etappen aufgegliedert. Die erste führte uns zu einer kleinen Dorfkirche, in der für uns eine Eucharistiefeier zelebriert wurde. Obwohl wir die einzige deutsche Gruppe waren, die wohlgemerkt aus nur 14 Mitgliedern bestand, wurde allerorts viel Rücksicht auf uns und mögliche Sprachprobleme genommen; so wurde in den Gottesdiensten teilweise die Lesung und/oder das Evangelium auch noch auf Deutsch vorgetragen. Das restliche Programm wurde uns von Schwester Sarah-Marie, aus der Gemeinschaft von Jerusalem, einwandfrei übersetzt. Sie und ihre Mitschwestern begleiteten uns die drei Tage.

Nach dem zweiten Stück des Pilgerwegs machten wir auf einer Anhöhe, mitten in Feldern unsere Mittagspause und genossen die Aussicht. Ab diesem Zeitpunkt wurden wir in Kleingruppen eingeteilt, in denen wir auch noch am folgenden Tag immer wieder zu Reflexionsgesprächen zusammenkamen und unsere Gedanken austauschten. Das erste Reflexionsgespräch fand auf einer vermeintlich leeren Weide statt, die dann doch nicht so leer war wie wir geglaubt hatten, denn aus dem Unterholz brach eine galoppierende Schafherde hervor, die vor Neugier kaum zu stoppen war, bis sich ihnen ein wagemutiger Mönch in den Weg stellte und er sie das Weite suchen ließ.

Die letze Wegetappe legten wir schweigend zurück – zumindest so lange bis der einsetzende Regen uns erreichte und uns zwang, trotz der Hitze, unsere sommerliche Kleidung in wetterfeste umzutauschen. Leider war gerade der letzte Anstieg derart steil, dass uns nichts Anderes übrig blieb, als uns mit einem Rosenkranzgebet zu motivieren.

AM ZIEL: Feiern in Vézelay

Oben angekommen fanden wir einen unter Wasser stehenden Zeltplatz vor, hatten aber kaum mehr Zeit als für einen kleinen Happen, der uns beim Essenszelt ausgeteilt wurde: „Beliebt“, zu jeder Tages- und Nachtzeit waren die allgegenwärtigen Chipstüten, Müsliriegel, Caramel-Puddings und das trinkbare Apfelmus. Die Nahrungsaufnahme währte nur eine kurze Weile, da die „pünktlichen Deutschen“ diesmal zu spät dran waren und die Franzosen bereits auf uns warteten.

Mit einem großen Holzkreuz stiegen alle Pilger der Routes de Vézelay eine weitere halbe Stunde zur Basilika „Sainte Marie Magdeleine“ auf, um dort eine außergewöhnlich schöne Vigil zu feiern. Egal bei welcher gottesdienstlichen Feier wurde immer viel gesungen und musiziert, auf eine mitreißende und inspirierende Art und Weise. Nach einem Abstieg in völliger Dunkelheit hatten es, nach einem ereignisreichen Tag, alle eilig in ihre Zelte zu kommen, denn am nächsten Morgen war für alle wieder frühes Aufstehen angesagt. Begleitet wurden wir dabei von dem „würzigen Duft der Wallfahrt“, da außer Zähneputzen und „Katzenwäsche“ mangels Duschmöglichkeiten mehr Hygiene nicht denkbar war.

Mit leerem Magen wagten wir einen neuerlichen Aufstieg zur Basilika (auf einem noch beschwerlicheren Weg als am Vortag), vor der wir unsere erste Mahlzeit des Tages einnahmen. Frisch gestärkt nahmen wir unter freiem Himmel und einer grandiosen Aussicht an einer Auferstehungsfeier teil. Nach einer weiteren Reflexionsrunde zogen wir in einer Prozession in die Basilika ein, um die letzte Eucharistiefeier dieser Wallfahrt zu begehen. Die Route wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen und einem Aussendungssegen beschlossen.

NACH HAUSE – und weiter unterwegs…

Müde und erschöpft, aber auch glücklich und angefüllt von positiven Eindrücken und Erlebnissen, machten wir uns auf den Rückweg Richtung Deutschland. Der Weg der beiden deutschen Diözesen trennte sich auf einem Rastplatz nach einem letzten geistigen Austausch. Es war für alle eine schöne, ergreifende und prägende Zeit, die sicherlich noch lange in unseren Gedanken und Herzen sein wird. Solltet ihr, liebe Leser, die Chance haben, selbst an einer solchen Wallfahrt teil zu nehmen, dann ergreift sie, ihr werdet es nicht bereuen.

Verfasst von Kerstin Humm und Marie-Christin Kerkmann
Mehr Fotos gibt’s im Fotoalbum…

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