Wanderexerzitien 2012: „Ich lasse Dich nicht los…“

29. Juli 2012

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Kuhglocken. Sie spielen leise ihr Lied, während die Morgensonne sich über dem Horizont erhebt. Sie kündet einen brüllend heißen Tag an. Am Fuß der Berge versammelt sich eine verschworene Mannschaft. 19 meist junge Frauen und Männer. Sie stehen im Kreis, Arm in Arm, und schweigen. Stille. Warten.
Leise beginnt einer aus dem Kreis zu reden. Mit ruhigen Worten erinnert er die Gruppe an das Thema des Tages, macht Mut und bittet um Gottes Segen.

Der Kreis löst sich und die Gruppe beginnt den Aufstieg. Über 1000 Höhenmeter sind heute zu bewältigen. Langsam, Schritt für Schritt, geht es bergauf. Nur das Knirschen des Gerölls unter den Füßen, das „Tack-Tack“ der Wanderstäbe und das leise Gebimmel der Kuhglocken sind zu hören.
Schon bald beginnt der Schweiß zu rinnen. Unbarmherzig brennt die Sonne. Das Herz rast. Stundenlang geht es nur bergauf. Steil. Steinig. Jeder geht für sich allein, hängt seinen Gedanken nach, meditiert, betet und schwitzt.

Schweigend gehen die 19 Teilnehmer/innen der Wanderexerzitien nebeneinander her. Sie haben sich zu dieser Woche in den französischen Alpen angemeldet ohne genau zu wissen, was sie erwartet. Aus ganz Deutschland sind sie angereist und werden nun von Pater August Hülsmann angeführt, der die Berge rund um das Dörfchen „Le Reposoir“ („Der Altar“) seit 25 Jahren kennt.

In diesem Jahr begleitet uns die Erzählung vom Kampf Jakobs mit Gott: „Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.“ (Gen 32,27) Eine uralte Geschichte – doch sie passt. Während wir uns mit der Bibelstelle auseinandersetzen, kämpfen wir selbst: Mit unserem eigenen Lebensweg und mit dem Berg, der sich vor uns erhebt. Dort, wo es besonders steinig, schwierig und gefährlich wird, reichen wir uns die Hand und helfen uns gegenseitig weiter. Das Gemeinschaftsgefühl ist – trotz des Schweigens beim Aufstieg – unglaublich stark. Hier, in den Bergen, braucht es keine großen Worte.

Mit jedem Meter, mit jedem Schritt kommt das Ziel näher. Bis es endlich soweit ist: Der Gipfel ist erreicht. Eine atemberaubende, wunderschöne Aussicht bietet sich: Rundherum nur Berge, schroffes Felsland, bunte Wiesen und saubere Luft. In der Ferne lässt sich der Genfer See erahnen. Dreht man sich um, erhebt sich gewaltig und majestätisch der Montblanc am Horizont.
Die Rucksäcke werden geöffnet und entleert. Auf einer großen Decke werden Käse, Baguette, Wurst, Eier, Gemüse, Kekse und Obst ausgebreitet. Hier oben – am Ende der Welt – schmeckt das einfache Picknick wie ein erlesenes Festmahl.

Nach der Erholungspause wird der „Tisch“ abgeräumt und erneut gedeckt: Nun liegt eine Bibel in der Mitte. Kelch und Hostienschale stehen bereit. Der Himmel ist greifbar nah: Wir feiern Eucharistie. Wir singen, beten, staunen, loben & danken Gott.

Und danach … geht es weiter. Der Abstieg wartet auf die Gruppe. Er ist nicht weniger anstrengend, als der Weg hinauf. Die Kniescheiben tun weh; jeder Schritt will bedacht und sorgsam gewählt sein. Im Schneckentempo geht es vorwärts. Nach Hause.
Einige Stunden später sitzen wir am Lagerfeuer. Geduscht (oder im Bach gebadet), satt, müde und glücklich lassen wir den Tag ausklingen. Morgen geht es weiter…

Die Wanderexerzitien in den französischen Alpen wurden angeboten vom Herz-Jesu-Kloster in Neustadt, von der Stelle „Dein Leben. Dein Weg.“ Berufe der Kirche. und von Nightfever.

Die Bildergalerie findet Ihr auf unserer Facebookseite

Und hier könnt Ihr euch für die Wanderexerzitien 2013 anmelden…

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