Gemeinde- und PastoralreferentIn. „Macht euch keine Sorgen…“

1. August 2017

„Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Neh 8,10)

Unter dieses Leitwort gestellt, lassen sich am 27. August im Bistum Speyer eine angehende Gemeindereferentin und drei angehende Pastoralreferentinnen aussenden: Ein langer Ausbildungs- und Reifeweg gipfelt in dieser Feier. Die Stelle Berufungspastoral Speyer bot den Vieren 15 Fragen, aus denen sie sich sechs auswählen konnten. Die angehende Pastoralreferentin Nina Bender aus Eppenbrunn steht hier Rede und Antwort:

Ø Wo siehst du die katholische Kirche realistisch in 10 Jahren?
Ich kann nicht in die Zukunft schauen, weshalb ich mir schwer damit tue, zu sagen, wie die katholische Kirche realistisch in 10 Jahren aussieht. Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass die katholische Kirche weltweit wachsen, in Deutschland aber schrumpfen wird. Das wird einen Wandel des Erscheinungsbildes der katholischen Kirche in Deutschland mit sich bringen, den wir ja ansatzweise bereits erleben. Dennoch bin ich nicht pessimistisch. Entscheidend ist schließlich nicht, dass überall alles aufrechterhalten wird, sondern dass Jesus Christus bleibend unter uns gegenwärtig ist. Wenn wir uns auf ihn konzentrieren und den Glauben an ihn, im Hören seines Wortes und in der Feier der Eucharistie, in unserem Leben wachhalten, dann bin ich zuversichtlich, dass wir als katholische Kirche wieder an Ausstrahlungskraft und Attraktivität gewinnen.

Ø Was ist Quelle und Ziel deiner Arbeit?
Jesus Christus! Er schenkt mir eine übergroße Freude, weshalb ich aus dem Glauben an ihn heraus mein Leben gestalte und versuche, ihm nachzufolgen. Kraft dafür schöpfe ich aus dem Gebet. Als Pastoralassistentin möchte ich nun andere Menschen zu Jesus Christus hinführen und sie für den Glauben begeistern, damit auch sie durch die Freude an ihm Kraft verspüren ihr Leben auf ihn hin auszurichten.

Ø Woran erkennt man, dass man berufen ist?
Da gibt’s keine Pauschalantwort. Wie jeder Mensch einzigartig ist, so ist es auch mit seiner Berufung. Deshalb kann ich nur sagen, wie das bei mir war: Seit meiner Erstkommunion war ich voller Begeisterung Messdienerin in meiner Heimatpfarrei und bin so allmählich in die Kirche und den Glauben hineingewachsen. Mit 15 Jahren nahm ich dann am Weltjugendtag in Köln teil und erlebte dort eine junge, dynamische und von Gott begeisterte Kirche. Trotz aller Strapazen, die so ein Weltjugendtag mit sich bringt, verspürte ich, dass ich in dieser Kirche meinen Platz gefunden habe und Gott mich in Dienst nehmen will.

Ø Was gibt dir Sicherheit, dass deine Entscheidung richtig ist?
Während meiner Messdienerzeit in meiner Heimatpfarrei, an meinen Studienorten und zuletzt auch in meiner Praktikumspfarrei bin ich immer wieder Menschen begegnet, die mich in meinem Tun unterstützt und begleitet haben. Diese Menschen haben mich immer wieder darin bestärkt, meinen Weg zu gehen. Im Vertrauen auf Gott und durch die Ermutigung der vielen Menschen, starte ich jetzt voller Zuversicht in meinen Dienst als Pastoralassistentin.

Ø Wie schaut dein Tagesablauf aus?
Einen festen Tagesablauf gibt es nicht. Jeder Tag ist anders. So bin ich an dem einen Tag in der Schule, führe ein Trauergespräch, übe mit den Messdienern für den Gottesdienst, besuche die Kinder in der Kita und leite am Abend eine Katechetenrunde, während ich an einem anderen Tag die Kranken besuche, um ihnen die Kommunion zu bringen, die Erstkommunionstunde vorbereite und mit Jugendlichen einen Gottesdienst gestalte. Gleichbleibend ist das tägliche Gebet und, so oft es möglich ist, der Besuch der Heiligen Messe.

Ø Warum ist in der heutigen Zeit der Glaube scheinbar so unattraktiv?
Es mag sein, dass die immer leerer werdenden Kirchen am Sonntag den Glauben auf den ersten Blick unattraktiv erscheinen lassen. Doch schon während meiner Schulzeit habe ich in unzähligen Gesprächen erlebt, dass die Menschen sehr neugierig sind. Oft wurde ich gefragt, weshalb ich an Gott glaube und worin meine Motivation besteht, mich kirchlich zu engagieren. All die Gespräche zeigten mir, dass das Bedürfnis nach spiritueller Sinnfindung auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch keineswegs gestillt ist. Dabei war es für mich sehr spannenden zu erleben, dass selbst diejenigen, die sich als ungläubig bezeichnen, mich nicht davon überzeugen konnten, völlig ohne einen Glauben auszukommen. So erlebte ich vielmehr, wie sich meine Gesprächspartner ihre private Glaubenswelt zusammenbasteln, indem sie z.B. christliche Vorstellungen mit Praktiken anderer Religionen verknüpfen. Der Glaube in unserer heutigen Zeit ist also keineswegs unattraktiv. Unattraktiv scheint vielmehr die Kirche zu sein. Deshalb ist es mir ein Anliegen, andere an meiner Glaubensfreude teilhaben zu lassen und ihnen den Mehrwert des christlichen Glaubens für ihr Leben aufzuzeigen.

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