Warum ist Priester werden dein Weg ?

30. Mai 2018

Am 16. Juni 2018 ist Priesterweihe im Speyerer Dom.
Die Stabsstelle „Berufungspastoral Speyer“ und verschiedene ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich Gedanken gemacht und 15 Fragen entwickelt. Der dieses Jahr einzige Priesteramtskandidat konnte sich daraus sechs auswählen und beantworten. Hier steht Christoph Herr aus Germersheim in vier Fragen Rede und Antwort:

 
Ø Was willst du mit deiner Arbeit bewirken?
Grundsätzlich muss ich mich fragen, was wirklich ich bewirke und was tatsächlich ein anderer – Christus – bewirkt. Leider ist es in einem Arbeitsbereich wie der Seelsorge schwer, Erfolge zu „messen“: Bei einem Lehrer könnte man es z.B. am Notenschnitt festmachen oder bei einem Versandhaus am Umsatz. Ja selbst die Zahl der Gottesdienstbesucher ist letztlich nur eine Orientierung, da mein Wirken doch in erster Linie eine Tiefenwirkung haben soll und haben muss. Es wäre falsch zu sagen, ich möchte „Gott bringen“, da Gott schon lange vor mir den Menschen, zu denen ich komme, die Hand ausgestreckt hat. Aber nicht selten möchten die Menschen, zu denen ich gesandt werde, Unterstützung von mir haben, diese Hand Gottes auch ergreifen und diese Beziehung im eigenen Leben umzusetzen zu können. Diese Unterstützungsfunktion ist etwas, dass ich bewirken möchte.

Ø Was gibt dir Sicherheit „Ja“ zu deiner Berufung zu sagen? Was gibt dir Sicherheit, dass deine Entscheidung richtig ist?
Wie immer im Glauben ist es so eine Sache mit der Sicherheit… Ich konnte bisher sehr gut Ja sagen, da die Situation für mich stimmig war und ist. Ein himmlisches Zeichen habe ich freilich noch nicht gewährt bekommen, obwohl ich lange darauf gewartet hatte. Ich kann Ja sagen, weil ich zur Lebensführung eines Priesters und auch zu den Aufgaben grundsätzlich Ja sagen kann. Was aber ist, wenn sich die Rahmenbedingungen so geändert hätten, dass ich nicht mehr Ja sagen könnte? Dann wäre sicherlich zu überlegen, ob ich gut als Priester weiterarbeiten könnte, wobei es bei einer Weihe zuerst einmal um ein Sein geht und erst dann um ein „Was darf ich alles machen?“. Hier nun wäre ich aber an einem Punkt angelangt, wo ich mit einem weltlichen Arbeitsverhältnis und reinen Vernunftsüberlegungen wie Kosten-Nutzen nicht mehr hinkomme, sondern darauf vertrauen muss, dass mich ein anderer – Christus – zuerst gerufen hat und mich in seinem Dienst erhalten will. Und wenn mich dann dieser Gedanke nicht mehr los lässt, dann habe ich die nötige Sicherheit, Ja sagen zu können. Zusprüche der Mitmenschen sind sicherlich hilfreich, aber letztlich auch kein Indikator, ob die Entscheidung, dass ich mich weihen lasse, richtig ist. Es bleibt dabei, es muss für mich stimmig sein – und dann auch für die Kirche bzw. den Bischof, der mich weiht und der mein „Dienstherr“ ist.

Ø Was findest du gut, cool an Kirche, was wirklich gut ist aber gar nicht wahrgenommen wird?
Die Größe der Kirche! Ich finde es erhebend, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die zweitausend Jahre zurück reicht. Einer Gemeinschaft, der nichts menschliches fremd ist und die sich geführt wissen darf, durch die Jahrhunderte hindurch und an so manchen Klippen vorbei auf den Tag hin, wenn Christus wiederkommt.

Ø Woran erkennt man, dass man berufen ist?
Zur Berufung gehören immer drei: Christus, der ruft; der Mensch, der den Ruf hört und die Kirche, die den Ruf bestätigt. Alle diese drei „Akteure“ müssen stimmig zusammenspielen: Die Weihe bestätigt die Berufung amtlich; wenn Christus nicht ruft, kann ich trotzdem ein guter Seelsorger sein, aber keine Krisenzeit überstehen; wenn ich nicht hören will oder kann, nützt auch der Ruf nichts. Worum nun erkenne ich, ob ich berufen bin? Wenn mich dieser Gedanke umtreibt und sich mein Leben immer mehr nach Christus ausrichtet. Dann muss ich den Sprung ins kalte Wasser wagen und beim Priesterseminar einen Termin vereinbaren. Hier kann sicherlich ein Gespräch mit einem Seelsorger nützlich sein, dem ich vertraue. Die Seminarzeit muss dann eine Zeit ohne Zwang und in aller inneren Freiheit sein, damit ich mich selbst prüfen kann. Und schließlich: Auf das Urteil der Kirche vertrauen – in der doch der Hl. Geist wirkt -, bis hin zu dem Tag, wenn mich der Bischof fragt, ob er mit mir rechnen darf. Wenn es bis dahin trotz aller Höhen und Tiefen immer noch stimmig ist, darf ich mir sicher sein.

 

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