Was mich so bewegt, Pastoralreferent zu werden…

24. August 2018

Am 02. September lassen sich im Bistum Speyer zwei angehende Pastoralreferenten aussenden: Ein langer Ausbildungs- und Reifeweg gipfelt in dieser Feier. Die Stelle Berufungspastoral Speyer bot den beiden (Michael Gutting und Marcel Ladan) 15 Fragen, aus denen sie sich sechs auswählen konnten. Hier steht Michael Gutting Rede und Antwort:

Ø Wo siehst du die katholische Kirche realistisch in 10 Jahren?
Wenn es uns gelingt, neue Wege und Formen zu finden – wovon ich ausgehe – und wir mehr Menschen (wieder) das Gefühl vermitteln können, dass es uns um sie geht und wir um sie bemüht sind, bin ich guter Dinge, dass die katholische Kirche in 10 Jahren sogar ein Plus verzeichnen kann mit mündigeren Christen als bisher. Aber das hängt m.E. einzig und allein davon ab, wie wir den uns anvertrauten in den nächsten Jahren gegenübertreten und begegnen.

 
Ø Was willst du mit deiner Arbeit bewirken?
Mit meiner Arbeit möchte dafür sorgen, dass Gott immer Thema bleibt. Ich möchte den Menschen von der Liebe Jesu Christi erzählen, von seinem Tod und seiner Auferstehung zur Vergebung unserer Sünden. WIR SIND ERLÖST – das möchte ich den Menschen klarmachen. Gott hat das alles für uns getan, losgelöst von jeglichen Vorbedingungen. Am Wichtigsten ist es für mich, den Menschen zu einer ganz persönlichen Beziehung zu Jesus Christus zu verhelfen. Denn alles andere ist dann nur noch marginal.

 
Ø Was ist Quelle und Ziel deiner Arbeit?
Die Quelle meiner Arbeit ist Jesus Christus selbst. Ich schaffe es zwar nicht täglich, aber an vielen Tagen nehme ich mir die Zeit und rede einfach mit Jesus über alles, was mich umtreibt, was mir Angst macht, was mich bedrückt. Aber auch darüber, was mich glücklich macht und worüber ich dankbar bin. Nicht selten vergeht dabei eine ganze Stunde. Und in dieser Stunde fühle ich mich lebendiger als in den dreiundzwanzig übrigen. Ich lege alles vor in hin und fühle mich danach erleichtert und frei – als ob die ganze Last nun in seinen Händen läge. Und genau darin sehe ich auch das Ziel: die Menschen dorthin zu führen, dass auch sie eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus finden und aufbauen, darum wissen, dass er wahrhaftig lebt und bei uns ist – und zwar in jedem einzelnen Augenblick. Denn dann – davon bin ich absolut überzeugt – kann man Eucharistie ganz anders und viel bewusster feiern. Durch die persönliche Beziehung zu Christus geschieht wahrhaftig und leibhaftig Wandlung in jedem von uns.

 
Ø Was bedeutet es für dich heute Christus nachzufolgen?
Nachfolge heißt für mich, unerschütterlich zu dem zu stehen, woran ich glaube und auch in jeder Situation bereit zu sein, Zeugnis dafür abzulegen. In der heutigen Zeit, wo ein Überangebot an Spiritualität und Pseudo-Spiritualität herrscht, können wir Menschen nur überzeugen, wenn sie auch unsere Überzeugung spüren. Entsprechend der johanneischen und der paulinischen Theologie: an unserem Handeln sollen sie unseren Glauben erkennen. Die Menschen müssen das Feuer sehen können, das in uns brennt. Vor allem aber heißt Nachfolge für mich, Rede und Antwort stehen – und als bereits erlöste Menschen sollten wir dabei auch immer ein Lächeln auf den Lippen haben. Denn mal ehrlich: Wer nimmt uns die Frohe Botschaft ab, wenn wir immer so gequält schauen? Daran müssen wir gewiss arbeiten!

 
Ø Woran erkennt man, dass man berufen ist?
Berufung ist für mich persönlich kein punktuelles Geschehen, sondern ein Prozess. Daher – so war es jedenfalls bei mir – erkenne ich nicht wie durch einen Blitzschlag, dass ich zu einem Dienst berufen bin. Sondern ich muss lange hinhören und darum beten. Und ich bin überzeugt, dass Gott dabei unglaublich geduldig mit uns ist und uns unsere eigenen Erfahrungen machen lässt. Wenn wir dann bereit sind, uns auf ihn einzulassen und in seinen Dienst nehmen lassen, wird er uns den richtigen Weg weisen. Ich glaube fest daran, dass Gott mit jedem von uns etwas vorhat und wir alle einen festen Platz in seinem göttlichen Plan haben. Aber er lässt uns auch auf eigenen Umwegen dorthin gelangen. Als ich bereit war loszulassen und mich von ihm führen zu lassen, habe ich meine Berufung verspürt.

 
Ø Warum ist in der heutigen Zeit der Glaube scheinbar so unattraktiv?
Zum einen herrscht heutzutage ein Überangebot in allen möglichen Belangen. Die meisten Menschen wollen nur noch bespaßt werden und so viele Höhepunkte in ihrem Leben wie möglich erleben – alles begrenzt sich auf das Hier und Jetzt und da hat der Glaube keinen Platz. Zum anderen kommt mir auch immer wieder der Eindruck, dass sehr viele gar nichts mehr mit sich selbst und vor allem nicht mit Stille anfangen können. Im Gegenteil: es muss immer was los sein, man muss immer beschäftigt sein. Vor diesem Hintergrund hat man keine Zeit und will sich auch gar keine Zeit nehmen, sich mit dem Glauben und der Frage nach Gott auseinanderzusetzen.

 
Dennoch bin ich überzeugt, dass sich jeder Mensch irgendwann selbst infrage stellt und auf der Suche nach einem Sinn des Ganzen ist. Und da müssen wir als Kirche präsent sein – mit Überzeugungskraft und Ausstrahlung.

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