Ständig Diakon sein… Achim Stein

16. Oktober 2018

Ständig Diakon sein…

Am 27. Oktober 2018 lassen sich im Speyerer Dom fünf Männer zu Diakonen weihen. Vier zu „ständigen“ und einer (Artur Noras), der sich später zum Priester weihen lassen möchte. Es sind: Paul Beyer, Hl. Pirminius, Contwig; Steffen Dully, Hl. Bruder Konrad, Martinshöhe; Artur Noras, Hl. Franz Xaver, Lauterecken; Achim Stein, Hl. Elisabeth, Grünstadt; Bernd Wolf, Hl. Theresia von Avila; Neustadt. Ein langer Ausbildungs- und Reifeweg gipfelt in dieser Feier. Die Stelle Berufungspastoral Speyer bot auch ihnen 15 Fragen, aus denen sie sich sechs auswählen konnten.

 

Wo siehst du die katholische Kirche realistisch in 10 Jahren?
Ich erwarte, dass die Kirche weltweit trotz aller Probleme weiter wachsen und sich zugleich noch deutlicher positionieren wird – insbesondere an der Seite der Armen, Entrechteten, Verfolgten, derer an den Rändern der Gesellschaft. Auch bei uns in Deutschland wird die Kirche „wachsen“: zwar nicht quantitativ bzgl. ihrer Größe, dafür aber qualitativ bzgl. ihres Gemeindelebens, in dem engagierte und entschiedene Gemeindeglieder eine noch wichtigere Rolle spielen werden als heute. Gleichzeitig wird sie sich für das Heute auch neu orientieren: nicht dass sie ihre Identität aufgibt, sondern dass sie nah an den Menschen ist, ihrer Lebensrealität, ihren Fragen und ihren Problemen – so wie jene heute sind. Dabei wird sie sich bewusst auf das konzentrieren, was ihre Kernbotschaft und ihr Wesen ausmacht, dies offensiv vertreten und verteidigen sowie hierdurch auch Halt und Orientierung geben. Ich denke dabei etwa an die Botschaft von Gottes unendlicher Liebe zu all seinen Geschöpfen, an das unbedingte Recht auf Leben, welches von „links“ und „rechts“ immer wieder relativiert wird, sowie an die Würde eines jedes einzelnen Menschen – insbesondere dann, wenn er schwach, hilflos und verletzlich ist. Diese Grundüberzeugungen fordern in ihrer Konkretisierung umfangreiche Konsequenzen für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, beispielsweise den Einsatz für ein friedliches Miteinander, faire Produktions- und menschenwürdige Lebensbedingungen oder auch die Bewahrung der Schöpfung – alles sowohl global als auch lokal gedacht. Kirche soll hier nicht selbst Politik machen, wohl aber auf der Grundlage christlicher Werte Mahner und Anwalt sein. Alles Genannte können wir in den letzten Jahren bereits verstärkt beobachten, und ich erwarte, dass die Kirche diesen Weg weitergeht, dass sie hierbei immer wieder „rechts“ und „links“ anecken, insgesamt aber (noch) glaubwürdiger, greifbarer und attraktiver wird.

 
Was willst du mit deiner Arbeit bewirken?
In Wim Wenders Film „In weiter Ferne, so nah!“ spricht ein Engel am Anfang: „Wir sind Boten, die Nähe zu tragen zu denen in der Ferne. Wir sind Boten, das Licht zu tragen zu denen im Dunkeln. Wir sind Boten, das Wort zu tragen zu denen, die fragen.“ Was der Engel hier sagt, gilt nicht nur für Engel oder für Diakone, sondern im Grunde für uns alle, die wir getauft und gefirmt sind. Caritativ-diakonales Handeln ist nichts, was Kirche an Caritasausschüsse, Caritaszentren oder Diakone wegdelegieren kann, sondern es muss sich als ein Wesensbestandteil der Kirche in all ihrem Denken und Handeln zeigen. Die caritativen und diakonalen „Spezialisten“ können und sollen hier Vorreiter, Koordinator, Mahner und Vorbilder sein. Ich hoffe, hier neben all den anderen Ehren- und Hauptamtlichen ebenfalls einen Beitrag leisten zu können.

 

Hast du Gewissheit? Brauchst du Gewissheit?
Ich habe Vertrauen. Das reicht mir.

 
Was gibt dir Sicherheit, „Ja“ zu deiner Berufung zu sagen?
Sicherheit habe ich aus mir heraus keine. Ich weiß nicht, ob ich allen Aufgaben und Erwartungen gerecht werden kann – wahrscheinlich eher nicht. Dafür bin ich mir aber sicher, dass Christus mir helfen wird. Dies hat er schon oft in meinem Leben getan – besonders dann, wenn es drauf ankam und besonders schwierig wurde. Auf diesem Gebiet habe ich mir ein kindliches, ursprüngliches Vertrauen gegenüber dem lieben Gott bewahrt. Manchem mag so eine Einstellung naiv und unreif erscheinen, für mich ist sie eine der wesentlichsten Einsichten überhaupt: Ich vertraue dem lieben Gott, und er lässt mich nicht im Stich. Er wird (und soll) mir freilich nicht jeden Wunsch erfüllen, aber er wird – über Hindernisse und Umwege hinweg – schließlich alles zum Guten führen. Diese Gewissheit gibt mir Mut und Kraft. Für meinen künftigen Dienst bekomme ich diese Stärkung sogar in besonderer Weise zugesprochen. Das letzte Konzil formulierte es so: „Mit sakramentaler Gnade gestärkt, dienen sie [die Diakone] dem Volke Gottes in der Diakonie der Liturgie, des Wortes und der Liebestätigkeit in Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium.“

 
Was ist die Hauptbotschaft deines Glaubens? Auf welcher Glaubensbasis handelst du in Zukunft?
Die Botschaft meines Glaubens ist einfach: Gott hat jeden von uns unendlich lieb und er wünscht sich nur eines von uns – nämlich dass wir seine Liebe annehmen und erwidern. Wenn wir dies tun, so hat diese Liebesbeziehung freilich Konsequenzen: Zum einen müssen mich keine Fragen mehr plagen nach dem Ursprung, dem Grund, dem Sinn und dem Ziel meines Lebens, denn sie sind damit beantwortet. Zum anderen wird es mein eigenes Bedürfnis sein, diese Liebe Gottes im Rahmen meiner Möglichkeiten auch an andere weiterzugeben, denn sie gilt ja allen Menschen und nicht nur mir allein.

 
Was ist für dich ein Alleinstellungsmerkmal in der Kirche?
Im Laufe der vergangenen Jahre konnte ich bei den verschiedenen Gruppierungen, denen meine Tochter angehört, immer mal wieder miterleben, was die Kirche von den anderen Gruppierungen unterscheidet: Im Schwimmclub ging es – logischerweise – um eine hohe Schwimmleistung und in der Musikschule um ein gutes Klavierspielen; dies ist ja auch ihre Aufgabe. Die Kinder und Jugendlichen waren dort, um einen vorbestimmten Zweck gemäß der jeweiligen Gruppierung zu erfüllen und dort eine optimale Leistung zu erbringen. Möglichst sollte man sich dann noch in Wettbewerben messen; man wurde nach Leistung bewertet und definiert. Wenn meine Tochter hingegen die Kolping-Gruppenstunden besucht oder wenn sie messdient, so geht es nicht um die Wertschätzung einer Leistung, sondern um die Wertschätzung ihrer selbst als Person – und zwar als Person in ihrer Ganzheit und nicht reduziert auf bestimmte Aspekte. Um anerkannt und angenommen zu sein, ist es nicht wichtig, wer Du bist, was Du hast und was Du kannst; sondern Du selbst bist wichtig: für den lieben Gott und für seine Kirche – so wie Du bist. Du musst keine guten Schulnoten haben, nicht schnell schwimmen können, nicht super Klavier spielen, um etwas zu gelten, sondern Du bist geliebtes Kind Gottes: Etwas Größeres gibt es nicht! Als solches kannst, darfst und sollst Du Dich in die Kirche auch aktiv einbringen – allerdings ohne dass jemand Druck auf Dich ausübt oder dass Du hierdurch erst Deinen Wert erarbeiten müsstest. Darüber hinaus kannst Du hier auch Heimat und Lebenssinn spüren als Teil einer (im wahrsten Sinne des Wortes „katholischen“) Gemeinschaft, die alles übergreift: die Zeit, den Raum und sogar den Tod. Mir gefällt in diesem Zusammenhang sehr gut ein Zitat des Dadaisten Hugo Ball: „Es ist etwas Schönes um die katholische Kirche. Sie ist wie eine ewige Mutter, die uns Eintagsfliegen in ihre Arme auffängt.“

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Achim Stein Oktober 18, 2018 um 09:48

Irgendwie ging die Frage 6/15 verloren (vielleicht weil meine Antwort hier nur sehr kurz war und hierdurch übersehen wurde):

Hast du Gewissheit? Brauchst du Gewissheit?
Ich habe Vertrauen. Das reicht mir.

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