Ständig Diakon sein… Bernd Wolf

19. Oktober 2018

 

Ständig Diakon sein…

Am 27. Oktober 2018 lassen sich im Speyerer Dom fünf Männer zu Diakonen weihen. Vier zu „ständigen“ und einer (Artur Noras), der sich später zum Priester weihen lassen möchte. Es sind: Paul Beyer, Hl. Pirminius, Contwig; Steffen Dully, Hl. Bruder Konrad, Martinshöhe; Artur Noras, Hl. Franz Xaver, Lauterecken; Achim Stein, Hl. Elisabeth, Grünstadt; Bernd Wolf, Hl. Theresia von Avila; Neustadt. Ein langer Ausbildungs- und Reifeweg gipfelt in dieser Feier. Die Stelle Berufungspastoral Speyer bot auch ihnen 15 Fragen, aus denen sie sich sechs auswählen konnten.

 

Was willst Du mit deiner Arbeit bewirken?
Das Ergebnis meiner Arbeit als Diakon soll sein, Partizipation zu ermöglichen. Mein Leitbild dabei ist das Verhalten Jesu Christi. ER fragt:
„Was soll ich dir tun?“. Der Angesprochene entscheidet, nicht ich. Und das beginnt beim Hören und Beten und nicht beim Aktionismus.

 

Was ist Quelle und Ziel deiner Arbeit?
Die Quelle, die meinen Durst stillt, ist Gott. ER reicht mir das Wasser, das nie mehr durstig macht. Ziel meiner Arbeit ist es Andere bei ihrer Suche nach dieser Quelle zu unterstützen. Mein Ziel ist, auch selber dieser Quelle immer näher zu kommen. Und das passiert, indem ich mich aufmache zu den Menschen, zu mir, zu Gott. Das kann gelingen, wenn ich mich tatsächlich den Lebenswirklichkeiten unserer Nächsten stelle.

Was ist die Hauptbotschaft deines Glaubens? Auf welcher Glaubensbotschaft handelst Du?
Was soll ich dir tun? Gib denen eine Stimme, die niemand hört.

 

Warum ist in der heutigen Zeit der Glaube scheinbar so unattraktiv? Wir haben es verlernt, die selbe Sprache zu sprechen. Wir erreichen so die Menschen nicht mehr. Ich komme aus der Arbeit am Patienten. Dort gibt es einen Leitsatz: „Ein Patient, der Schmerzen angibt, hat immer Recht!!!“
Das gleiche muss in unserer Arbeit gelten!

 

Wo bleibt Jesus bei dir? Hat er Platz in deiner Arbeit?
Jesus ist dort, wo ich unterm Volk bin. Ich feiere die Laudes wochentags im BASF-Zug. Ich habe keine Berührungsängste und gebe Auskunft, wenn man mich fragt, wo meine Begeisterung für die Sache Jesu herkommt.
In den Dienstbesprechungen habe ich den Anspruch, die Stimme zu erheben für die Schwächsten. Mein Motto ist: Was hätte Jesus getan? Jesus ist schon im Zimmer, wenn ich zum nächsten Patienten gehe. Wir sind nicht allein.
Mein diakonales Wirken zeigt sich in meiner Arbeitswelt im Umgang mit Schwestern Kollegen und Angehörigen.
Jesus wirkt in meiner Familie.

Wie sieht dein Tagesablauf aus?
Aufstehen um 5.00 Uhr
Bus zum Hauptbahnhof Neustadt: 5.50 Uhr Zug nach Mannheim 6.34 Uhr
Uniklinik Mannheim 7.30 Uhr
7.30 bis 8.00 Uhr: Administrative Vorbereitungen, um überhaupt am Patienten arbeiten zu können
8.00 bis 8.30 Uhr: Dienstbesprechung
8.30 Uhr: Absprachen mit Krankenschwestern und Ärzten.
9.00 Uhr: Mobilisation des ersten Patienten auf Intensivstation. Der Patient ist beatmet und sediert. Wir arbeiten im Team, um den Patienten aus dem Bett heraus zu holen. Andauernd geben die
medizinischen Geräte Alarme. Es ist unglaublich anstrengend, einen nahezu narkotisierten Patienten bis zum Sitz zu bringen.
Dauernd kommt irgend jemand dazu und geht wieder. Der Blutdruck des Patienten fällt ab. Manche erbrechen auf meine Schuhe. Ich arbeite unter Komplettmaskierung. Ich schwitze dabei. Die Patienten haben oft resistente Krankenhauskeime. Ich schütze mich und die anderen Patienten davor.
Während in der Nachbarbox reanimiert, wird kollabiert die Praktikantin. Nebenan klingelt das Notfalltelefon.
Wir legen den gerade mobilisierten Patienten zurück ins Bett. Es gibt jetzt Wichtigeres.
Mein Patient hat einen offenen Bauch . Er blutet. Ich habe heute noch nichts gegessen.
Ich muss seit 2 Stunden zur Toilette und komme nicht dazu.
So ungefähr wiederholt sich das bis 11.30 Uhr. Ich habe jetzt 30 Minuten Pause. Das Telefon klingelt. Besucher wollen wissen, wo ihr Angehöriger liegt. Ich will ins Brötchen beißen und werde von einem Besucher gefragt, warum sich denn niemand um seine Mutter kümmert.
„Was soll ich dir tun?“, fragt Jesus.
Nach der „Pause“ das gleiche „Spiel“. Ich dokumentiere mein Tun. Meine Kollegin ist krank. Ich übernehme einen Teil ihrer Patienten. Im Patientenzimmer angekommen, lautet die erste Frage: „Warum kommen Sie jetzt erst?“
Ich bete. Ja, Herr du hast es schwerer gehabt.
Angehörige sprechen mich an. Der Vater liegt auf Intensivstation. „Wie kommen wir hier rein?“. Es ist keine Besuchszeit. Ich vermittele zwischen Schwester und Besucher.
Feierabend um 16.00 Uhr. Zug nach NW um 16.24. Uhr
17.15 Uhr Hause. Das Telefon klingelt. Ich will jetzt nicht reden
18.00 Uhr Abendessen mit der Familie. Wie war`s heute? Wo war Jesus?
18.30 Uhr Vesper
19.00 Uhr bis 21.00 Uhr: entweder arbeiten in der Gemeinde, Sitzungen, Katechese, Hausbesuche, Vorbereiten vom Gottesdienst im Altenheim am Sonntag, und, und, und – so wie bei jedem anderen Ehrenamtler auch. Nur mit einem Unterschied: Ich muss um 22.00 Uhr ins Bett. Ich tanke Kraft für mein Morgen.

 

 

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