Den Weg finden

Drei grundlegende Fragen bei der Entscheidungssuche:

1. Paßt meine Entscheidung zu meiner Beziehung zu Jesus Christus, zu meinem Glauben an den Gott meines Lebens? Zum Vergleich: Wenn jemand verheiratet ist, wird er bei jeder wichtigen Entscheidung sich fragen müssen: Paßt mein beabsichtigter Berufsplan oder der Wohnortwechsel zu meiner Lebens-Beziehung, zu meiner Frau und meinen Kindern oder nicht?

2. Habe ich bei der Entscheidung ein „gutes Gefühl“, ist das „stimmig“? Hier lauscht man auf den inneren Frieden, die innere Freiheit, sein Herz. Wenn über längere Zeit eine Unruhe bleibt, dann stimmt an der Entscheidung etwas nicht.

3. Hält meine Entscheidung ruhigen, gründlichen Überlegungen stand? Was beinhaltet denn die Entscheidung alles? Gibt es nicht sinnvolle Alternativen? Bin ich damit überfordert? Gehorche ich nur einer Augenblicksbegeisterung?

Diese grundlegenden Hinweise zum Entscheiden im Heiligen Geist sollen nun auf die Frage nach der Berufswahl angewandt werden.

A. Hilfen für den geistlichen Umgang mit Entscheidungen

  • Betend mit der Entscheidung vor Gott dasein, der der „Freund meines Lebens“ ist.
  • Betend Gott selber ein „Angebot“ machen, seinen Geist in sich entscheiden lassen und so Gottes Wahl wählen. Man kann sich innerlich Jesus Christus vergegenwärtigen und – ähnlich wie die Jünger – ihm das eigene Suchen anvertrauen. Da wächst bald oder nach einiger Zeit eine Antwort heran.
  • Man kann sich fragen: Wenn ein Freund mit meiner Entscheidungsfrage zu mir käme: Was würde ich ihn fragen und was würde ich ihm raten?
  • Man kann sich sehr genau, phantasievoll und konkret vorstellen, wie das alltägliche Leben mit der Entscheidung, mit dem gewählten Beruf aussieht. Dies sollte man möglichst konkret im „Simulator der Phantasie und des Herzens“ durchspielen und dann schauen, wie die innere Reaktionen sind: ob sie Ruhe, Klarheit, Frieden geben oder Unruhe, Nebel usw.
  • Das Gespräch mit Menschen, die einen kennen und es gut mit einem meinen, ist eine wichtige Entscheidungshilfe. Auch wenn man manchmal „gegen“ die Eindrücke und Wünsche von jemandem entscheiden muß, um des eigenen Weges willen.
  • Das Gespräch mit verschiedenen Menschen, die den Beruf leben und den Weg gehen, den ich vorhabe einzuschlagen. Sie haben zwar auch ihr „Betriebsblindheit“, können aber doch den konkretesten Eindruck vermitteln.
  • Gespräche mit Gleichaltrigen, die einen gleichen oder ähnlichen Weg zu gehen beabsichtigen, können wertvolle Hinweise geben.
  • Wenn ein Ausprobieren, ein Praktikum über eine Zeit hinweg möglich ist, dann kann sich da manches klären.
  • Eine gute Hilfe – vor allem bei wichtigen Entscheidungen – können Exerzitien sein, d.h. Tage, in denen man vor allem im Gebet und im Gespräch mit einer geistlichen Begleitung zu erspüren versucht, wohin Gottes Geist einlädt und führen will.
  • Es ist gut, wenn die Entscheidung gefallen ist, sich noch eine Zeit des Abwartens, des Überprüfens, der Bestätigung zu nehmen.

B. Negative Anzeichen bei einer Entscheidung
Wenn jemand bei einer Entscheidung mehrere der folgenden Fragen mit „Ja“ beantwortet, dann zeigt dies, daß die Entscheidung in die falsche Richtung geht oder noch nicht durchgereift genug ist:

  • Spüre ich beim Gedanken an meine Wahl dauernd etwas Unruhiges, Fiebriges, Nervöses in mir?
  • Habe ich den Verdacht, daß das Vorhaben doch mehr ein „Stroh-feuer“ bloßer Augenblicksbegeisterung ist, von einem einzelnen starken Erlebnis beeinflußt ist, aber nicht tiefe Wurzeln gefaßt hat?
  • Habe ich eigentlich mit niemandem so richtig darüber gesprochen?
  • Bin ich mehr von außen beeinflußt, als daß die Entscheidung still und von innen her kommt?
  • Habe ich mich noch gar nicht richtig vertraut gemacht mit dem, was die Entscheidung ganz konkret bedeutet?
  • Habe ich mich eigentlich nur ganz kurz mit der Entscheidung beschäftigt?
  • Bin ich eigentlich gar nicht betend mit dieser Frage vor Gott gewesen?
  • Kommt es mir so vor, daß ich zu sehr aktivistisch die Entscheidung gefällt habe und sie mir eigentlich nicht zugefallen ist und geschenkt wurde?

Bei allen Versuchen, Gewißheit und Klarheit zu gewinnen, ist eines wichtig: Sie „ersparen“ uns nicht das Vertrauen! Christsein heißt, im Glauben und in der Hoffnung die Liebe zu leben.

P. Willi Lambert SJ, in: WEGBEREITER. Magazin für Berufe der Kirche 1/96, 12f.